Haidong Gumdo - der Weg des Schwertes

Wenn einer von Haidong Gumdo redet, weiss kaum jemand, was gemeint ist.

PalSangSe - die Vogelpose
 

Starke Unterdrückung machte es unmöglich, Haidong Gumdo weiter zu trainieren

Nach Generationen war es allerdings auf Grund der geschichtlichen und wirtschaftlichen Hintergründe, man denke an die Vorherrschaft der Japaner, nicht mehr möglich, diese Kampfkunst weiter auszuüben. Nach militärischer Gewaltanwendung der Japaner war Korea von 1910 bis 1945 zwangsläufig eine japanische Kolonie, was zur Folge hatte, dass den koreanischen Bürgern viele Rechte verwehrt blieben und ihre Traditionen stark unterdrückt wurden.

Erst seit 1961 konnte sich Haidong Gumdo entfalten und seit 2003 endlich auch in Deutschland unterrichtet werden. 2005 wurde die erste Schule nun auch in Bayern in der Oberpfalz von Meisterin Bae, Yoon-Joo (3. Dan) gegründet und findet immer mehr Anhänger. In einem Interview verrät sie mehr über die Entwicklung des noch jungen Kampfsportes.

Was genau bedeutet Haidong Gumdo und was unterscheidet es von anderen Kampfkünsten?

Haidong Gumdo gibt es schon seit Jahrhunderten und wurde damals nur zum Schutz des Königreiches ausgeübt. Heute ist es ein Kampfsport, allerdings steht nun nicht mehr der Gegner im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es nicht zu lernen, wie man jemanden tötet. Haidong Gumdo bedeutet, die körperliche und geistige Balance zu finden und diese innere Ruhe mit dem Alltag zu verbinden. Haidong Gumdo ist dynamischer als viele andere Kampfsportarten auch wenn wir keinen Kontaktkampf lernen, obwohl wir trotzdem auch echte Schwerter oder nur Holzschwerter benutzen. Bei uns ist nicht der Kampf das Wesentliche. Als erstes lernt man Höflichkeit und Achtung voreinander.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Führung des Schwertes der Europäer und der der Koreaner?

Europäer und Koreaner unterscheiden sich grundsätzlich kulturell in allem. Hier ist das Problem, dass Menschen oft mit viel Phantasie beginnen zu trainieren. Oft wird man unvernünftig und der Sport wird nicht ernst genommen. Somit weiss man das Schwert nicht zu schätzen und das zeigt sich in der Ausführung. Koreaner werden einfach viel strenger erzogen, was natürlich nicht heissen soll, dass Europäer deshalb untalentierter sind.

Diese Kampfkunst ist ja nicht nur für Männer geeignet. Wie viele Frauen betreiben schätzungsweise diesen Sport?

Noch sind die Männer deutlich in der Überzahl, aber die Mitgliederanzahl der
Frauen ist enorm gestiegen. Ich würde schätzen, dass ca. 40 Prozent der
Samurang Frauen sind.

Ohne den philosophischen Aspekt kann der körperliche nicht überleben

Dieser Sport ist auch für Kinder und Senioren geeignet. Haben diese denn keine Probleme mit den Bewegungen und Abläufen?

Nein haben sie nicht. In diesem Sport hat jedes Mitglied sein eigenes Tempo und seine individuellen Grenzen. Der körperliche Aspekt steht nicht im Mittelpunkt. Wichtig sind vor allem Konzentration und Disziplin, deshalb machen wir auch Atem- und Meditationsübungen.

Sie kommen ursprünglich aus Korea und leben erst seit fünf Jahren hier in Deutschland. Wie ist ihrer Meinung nach das Interesse in Europa im Gegensatz zu Korea?

Haidong Gumdo wird in Korea ausgeübt sowie in Europa Fussball. Kinder fangen oft schon im Alter von fünf Jahren an. Leider ist das Interesse in Deutschland noch nicht ganz so groß, da wir noch ziemlich am Anfang der Entwicklung stehen und unbekannt sind. Dennoch ist das Interesse in den letzten Jahren sehr deutlich gestiegen.

Sie haben in Amberg auch eine eigene Schule. Was bedeutet Haidong Gumdo für Sie persönlich?

Als ich mit Haidong Gumdo angefangen habe, habe ich viele Sachen entdeckt, die ich selber an mir nicht kenne. Ich bin viel selbstbewusster und stärker geworden. Ich hab jetzt mehr innere Ruhe und blicke gelassener der Zukunft entgegen. Es war sehr wichtig für mich, eine eigene Schule zu gründen, um mich entfalten zu können. Ich hoffe, den Menschen Gutes zu geben und versuche meinen Schülern unsere vier Leitgedanken, die Vaterlandsliebe, Respekt gegenüber den Eltern, Anständigkeit und die Gerechtigkeit, nahe zu bringen. Diese sind im Haidong Gumdo von starker Bedeutung. Der körperliche Aspekt kann ohne den philosophischen nicht überleben. Und wenn man sich daran hält, liebt man sich selbst und kann seinen Mitmenschen mehr Zuneigung schenken.

Sind weitere Schulen in Bayern geplant?

Nun, zwei meiner Schüler haben schon eine eigene Schule in Nürnberg und München gegründet. Ich versuche selbstverständlich weitere Lehrer auszubilden, was natürlich alles andere als leicht ist, aber was genau geplant ist, verrate ich jetzt noch nicht.

Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Glück für Ihre Pläne.

Posen:

Frau seitlich hockend mit Schwert quer über Kopf gehalten.
Pochose - die Tigerpose: Die Attacke des Gegners wird abgewehrt, indem das Schwert von unten nach oben geschlagen wird. Durch die niedrige Pose ist ein Angriff effektiver , da der Gegner im unteren Bereich seines Körpers ungeschützt ist.
Dschoutschounse - die Adlerpose: Diese Kampfhaltung soll dem Gegner drohen. Da die Schwertspitze nach oben zeigt, ist ein schneller Angriff möglich, indem diese mit rasanter Geschwindigkeit nach unten geschwungen wird.
PalSangSe - die Vogelpose: Die Attacke lehnt sich an die Drohung eines Vogels in einer Kampfsituation gegen den Feind an. Der Gegner weiß nicht, mit was im nächsten Augenblick zu rechnen ist.